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Digitaler Alltag

Dias und alte Fotos digitalisieren: Familienbilder retten

Dias, Negative und Abzüge digitalisieren: Diascanner, Abfotografieren oder Dienstleister im Vergleich, dazu Auflösung, Dateinamen und die Sicherung der Bilder.

22 Min. Lesezeit FotosDigitalisierenDatensicherungDiasFotoalbum

Kurz und einfach erklärt

Alte Dias, Negative und Fotos altern. Die Farben werden rötlich. Der Beitrag zeigt, wie Sie die Bilder als Datei retten.

Fangen Sie mit den Bildern an, die schon leiden. Sie können selbst scannen oder abfotografieren. Sie können die Arbeit auch einer Firma geben.

Geben Sie den Dateien klare Namen. Schreiben Sie dazu, wer auf dem Bild ist, wann und wo. Legen Sie Kopien an getrennten Orten ab.

In unserem Kurs üben Sie bei Ihnen zu Hause, die Bilder zu ordnen und zu sichern.

Im Schrank stehen Diamagazine aus mehreren Jahrzehnten, in Schuhkartons liegen Negativstreifen in Pergamintüten, und im Regal warten Fotoalben, deren Seiten langsam vergilben. Für viele Familien ist das das einzige Bildgedächtnis von Hochzeiten, Urlauben und Einschulungen, und es altert sichtbar: Farben kippen ins Rötliche, Klebealben geben ihre Bilder nicht mehr frei, und mancher Filmstreifen riecht nach Essig. Wer die Bilder digitalisiert, hält den Zerfall der Originale nicht auf, schützt aber das Motiv. Dieser Beitrag zeigt, in welcher Reihenfolge Sie vorgehen, wie sich Diascanner, Abfotografieren und Dienstleister unterscheiden, welche Auflösung Archive für Dias und Abzüge ansetzen und wie Sie die Dateien so benennen und sichern, dass auch Kinder und Enkel sie noch finden. Wer zu Weihnachten ein Fotobuch oder eine digitale Bildersammlung verschenken möchte, findet am Ende einen Zeitplan mit Vorlauf.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für Fotos nennt die Verbraucherzentrale Temperaturen um den Gefrierpunkt und höchstens 35 Prozent Luftfeuchte (Verbraucherzentrale). Dias und Negative mit Essiggeruch oder Farbstich kommen deshalb zuerst an die Reihe.
  • Diascanner, Abfotografieren und Dienstleister führen alle zur Datei: Die US-Richtlinie FADGI empfiehlt für Kleinbilddias neben Filmscannern auch Digitalkameras und Flachbettscanner (FADGI).
  • Als Auflösung nennt FADGI für Kleinbilddias 3.000 ppi in der dritten und 4.000 ppi in der höchsten Stufe, für Abzüge 400 ppi und 600 ppi (FADGI). Die unbearbeitete Datei bleibt als Rohfassung erhalten.
  • Dateinamen beginnen mit Jahr und Monat, Ordner folgen Jahr und Anlass. Wer, wann und wo gehört in die Bildbeschreibung, weil reine Ordnernamen laut einer Handreichung zweier Archivare nach 40 Jahren womöglich nicht mehr reichen (Homa/Schlöder).
  • Sichern Sie mindestens zwei Kopien an getrennten Orten, prüfen Sie sie jährlich und kopieren Sie sie alle fünf Jahre um (Library of Congress). 33 Prozent der privaten Computer- und Smartphone-Nutzer machen gar keine Backups (Bitkom).
  • Familienfotos sind als Lichtbilder geschützt, in der Regel bis 50 Jahre nach Erscheinen oder Aufnahme (§ 72 UrhG). Private Kopien sind erlaubt; wer Personenbilder veröffentlicht, braucht deren Einwilligung (§ 22 KunstUrhG).

Warum Dias, Negative und Abzüge altern

Die Verbraucherzentrale nennt Wasser, Licht und Luftfeuchtigkeit als die größten Schadensursachen für Papier und Fotografien. Für Fotos setzt sie die Grenzen enger als für Papier: Temperaturen um den Gefrierpunkt und eine relative Luftfeuchte von höchstens 35 Prozent (Verbraucherzentrale). Sie schreibt selbst dazu, dass sich das in einem normalen Haushalt kaum umsetzen lässt, und rät zu geeigneter Verpackung wie Fotoarchivhüllen. Ausdrücklich ungeeignet sind nach ihren Hinweisen Dachböden, weil es dort im Sommer warm wird, und feuchte Kellerräume. Wer seine Diakisten dort aufbewahrt, holt sie zuerst heraus.

Bei Negativen und Dias kommt das Trägermaterial hinzu. Ein großer Teil der Filme, die seit den 1920er-Jahren hergestellt wurden, besteht aus Celluloseacetat (Image Permanence Institute 1993). Dieser Kunststoff zersetzt sich langsam und setzt dabei Essigsäure frei; Fachleute sprechen vom Essigsyndrom. Typische Anzeichen sind ein Geruch nach Essig sowie gewellte, geschrumpfte und spröde Filmstreifen. Das Image Permanence Institute hat berechnet, wann der Zerfall bei frischem Film messbar beginnt: bei Raumtemperatur von 21 Grad und 50 Prozent relativer Luftfeuchte nach etwa 40 Jahren (Image Permanence Institute 1993). Wärmer gelagerter Film baut nach den Erfahrungswerten des Instituts in etwa 30 Jahren ab, kühler als bei Raumtemperatur gelagerter Film zeigt dagegen nach 50 Jahren keine Anzeichen von Abbau (Image Permanence Institute 1993). Ist der Zerfall einmal in Gang, beschleunigt ihn die frei werdende Säure selbst, und die verbleibende Nutzungsdauer bei Raumtemperatur ist nach Einschätzung des Instituts kurz.

Auch die Farben halten nicht. Bei Farbnegativen verblassen nach der US-Digitalisierungsrichtlinie FADGI sowohl die orangefarbene Maske als auch die Farbstoffschichten mit der Zeit, beeinflusst unter anderem durch Wärme und mangelhafte Entwicklung. Farbnegative aus der Zeit vor 1975 lassen sich nach FADGI schlecht scannen, während Filme, die nach 1995 hergestellt wurden, bereits für das Einscannen in digitalen Fotosystemen ausgelegt waren (FADGI). Für Abzüge in Alben gibt es eine eigene Gefahr: Die Library of Congress rät von Alben mit farbigen oder selbstklebenden, sogenannten magnetischen Seiten ab (Library of Congress). Solche Klebealben erkennen Sie an der durchsichtigen Folie, die über die ganze Seite gezogen ist und die Bilder auf einer klebrigen Unterlage hält.

Der Geruchstest gehört an den Anfang

Riecht eine Dose, eine Pergamintüte oder ein Kasten mit Negativen nach Essig, rückt dieser Bestand auf der Liste nach oben. Lagern Sie ihn getrennt von Abzügen und anderen Filmen: Die Library of Congress empfiehlt, Negative möglichst getrennt von Abzügen aufzubewahren, weil manche Negative beim Altern schädliche Gase abgeben (Library of Congress).

Erst sichten: was zuerst an die Reihe kommt

Bevor das erste Dia im Scanner steckt, lohnt eine Bestandsaufnahme. Die Verbraucherzentrale empfiehlt für analoge Unterlagen eine Planung mit wenigen Fragen: Welche Unterlagen gibt es in welcher Menge, wie wertvoll sind sie, in welchem Zustand sind sie, und stehen Aufwand und Nutzen einer Digitalisierung im richtigen Verhältnis (Verbraucherzentrale)? Für Fotos heißt das: Nicht jedes Dia einer Serie fast gleicher Bergpanoramen muss in höchster Auflösung erfasst werden. Die Handreichung von Bernhard Homa vom Niedersächsischen Landesarchiv und Christian Schlöder vom Sächsischen Staatsarchiv, die die Verbraucherzentrale bereitstellt, rät bei digitalen Fotos ausdrücklich dazu, doppelte und verwackelte Bilder sowie Fehlschüsse auszusortieren (Homa/Schlöder). Für einen frisch digitalisierten Bestand gilt das genauso.

Sortieren Sie die Kartons, Magazine und Alben grob in Gruppen und legen Sie eine Reihenfolge fest. Sinnvoll ist, nach Dringlichkeit statt nach Jahrgang vorzugehen:

  • Filme mit Essiggeruch, gewellte oder spröde Negative und Dias mit deutlichem Farbstich: Hier geht mit jedem Jahr Bildinformation verloren.
  • Abzüge in Klebealben, die sich nicht mehr lösen lassen. Digitalisieren Sie die ganze Seite, statt Bilder mit Gewalt abzuziehen.
  • Bilder, von denen es nur ein Exemplar gibt, etwa Dias, zu denen keine Abzüge existieren.
  • Aufnahmen mit Menschen, die heute noch jemand in der Familie benennen kann. Dieses Wissen geht schneller verloren als jedes Trägermaterial.
  • Zum Schluss Serien, Doppel und Landschaften, bei denen eine Auswahl reicht.

Behandeln Sie die Originale dabei schonend. Die Library of Congress empfiehlt saubere Hände oder saubere Nitrilhandschuhe und das Anfassen an den Kanten statt auf der Bildfläche. Büroklammern, Gummibänder, Klebezettel und Klebeband gehören nicht an Fotos, und losen Staub entfernen Sie mit einem Blasebalg statt mit Druckluft aus der Dose, weil selbst weiche Pinsel kratzen können (Library of Congress). Notieren Sie außerdem, was auf Diarahmen, Rückseiten und Albumseiten geschrieben steht. Diese Beschriftung ist oft die einzige Quelle für Datum und Ort, und sie fehlt in der Datei, wenn niemand sie abschreibt oder mitfotografiert. Wie Sie Papierunterlagen nach demselben Prinzip sichten und scannen, beschreibt der Ratgeber Papierkram digitalisieren.

Drei Wege zur Datei im Vergleich

Für das Digitalisieren gibt es drei Wege: selbst scannen, selbst abfotografieren oder einen Dienstleister beauftragen. Die US-Bundesbehörden haben ihre Anforderungen in den Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials der Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI) zusammengefasst, deren dritte Ausgabe 2023 erschienen ist. Für Kleinbilddias führt die Richtlinie Filmscanner, Aufsichtscanner, Digitalkameras und Flachbettscanner als empfohlene Technik (FADGI). Das Abfotografieren ist also kein Notbehelf, sondern ein anerkannter Weg, wenn Licht, Schärfe und Ausrichtung stimmen. Die Unterschiede liegen im Aufwand, in der Kontrolle über das Ergebnis und darin, ob die Originale das Haus verlassen.

WegPasst fürStärkeHaken
Diascanner (Filmscanner)gerahmte Dias, Negativstreifengleichmäßiges Durchlicht, auf Kleinbild abgestimmte Optikjedes Bild einzeln, Staub auf dem Film wird mitgescannt
Flachbettscanner mit DurchlichteinheitAbzüge, Albumseiten, Negativstreifenmehrere Vorlagen je Durchgang, Abzüge ohne ZusatzgerätStaub und Fingerabdrücke auf dem Glas landen in der Datei
Abfotografieren mit Kamera oder SmartphoneDias, Abzüge, Klebealbenschnell, die Originale bleiben im Hausbraucht Stativ, Leuchtplatte und ruhiges Licht
Dienstleistergroße Bestände, wenig eigene ZeitErgebnis ohne eigene ArbeitszeitOriginale gehen außer Haus, Vorgaben müssen vorher geklärt sein

Selbst scannen mit Dia- oder Flachbettscanner

Ein Diascanner durchleuchtet das gerahmte Dia von hinten und erfasst es mit einem auf diese Größe abgestimmten Objektiv. Das ergibt ein gleichmäßiges Bild, kostet aber Zeit, weil jedes Dia einzeln eingelegt oder über einen Magazinaufsatz eingezogen wird. Planen Sie deshalb in Etappen und scannen Sie zuerst die Auswahl aus der Bestandsaufnahme. Ein typischer Ärger ist Staub: Er liegt auf dem Film und erscheint im Scan als heller oder dunkler Fleck. Manche Geräte bieten eine automatische Staubentfernung. Für die Archivfassung lässt FADGI digitale Staubentfernung nicht zu (FADGI); für Ihre Ansichtskopie können Sie das anders halten, solange die Rohfassung erhalten bleibt.

Ein Flachbettscanner ist für Abzüge und ganze Albumseiten das naheliegende Gerät, mit Durchlichteinheit auch für Negativstreifen und Dias. FADGI erlaubt Flachbettscanner für Fotos, weist aber darauf hin, dass Bilder dort anders wirken können als bei einer Aufnahme mit Kamera und klassischer Reprobeleuchtung, und dass Staub und Schmutz auf dem Glas in der Datei landen (FADGI). Stark eingerollte Abzüge drücken Sie nicht mit Gewalt flach; die Richtlinie verlangt ausdrücklich, eng eingerollte Vorlagen nicht flach zu zwingen. Viele Multifunktionsdrucker haben einen Flachbettscanner eingebaut, der für Abzüge und Albumseiten genutzt werden kann. Wie das Scannen am Drucker eingerichtet wird, erklärt die Seite zur Drucker-Einrichtung vor Ort.

Abfotografieren mit Kamera oder Smartphone

Beim Abfotografieren ersetzt die Kamera den Scanner. Für Dias brauchen Sie eine gleichmäßige Lichtquelle hinter dem Bild, etwa eine Leuchtplatte, und eine Halterung, die das Dia parallel zur Kamera hält. Für Abzüge reicht ein Tisch mit diffusem Tageslicht oder zwei seitlich aufgestellte Lampen. FADGI nennt das Arbeiten in einem abgedunkelten Raum als Mittel, um Umgebungslicht bei Durchlichtvorlagen zu verringern (FADGI). So gehen Sie vor:

  1. Kamera oder Smartphone auf ein Stativ setzen und so ausrichten, dass das Objektiv genau senkrecht über oder vor der Vorlage steht. Ein schräger Blickwinkel verzerrt das Bild zum Trapez.
  2. Den Blitz ausschalten. Bei Abzügen das Licht von zwei Seiten schräg einfallen lassen, damit sich die Lampe nicht im Bild spiegelt.
  3. Nah herangehen statt digital zu zoomen, sodass das Bild den Ausschnitt möglichst füllt. Beim Smartphone hilft der Makromodus, falls es einen gibt.
  4. Schärfe und Belichtung auf das Bild festlegen und eine Testaufnahme am Computer vergrößert prüfen, bevor Sie eine ganze Serie aufnehmen.
  5. Glas zum Glätten nur verwenden, wenn es die Vorlage nicht beschädigt. FADGI empfiehlt in diesem Fall entspiegeltes Glas gegen Reflexe und Newtonringe (FADGI).
  6. Die Reihenfolge des Magazins einhalten und die Beschriftung von Rahmen oder Rückseite mitfotografieren.

Negative brauchen einen Zwischenschritt: Das Bild muss umgekehrt und farblich korrigiert werden. FADGI vergleicht das Digitalisieren von Negativen mit dem Vergrößern in der Dunkelkammer, das stark vom Können und Urteil der Person am Gerät abhängt (FADGI). Speichern Sie deshalb die unbearbeitete Aufnahme und arbeiten Sie an einer Kopie. Wer viele Negativstreifen hat, spart mit einem Scanner, der die Umkehrung selbst übernimmt, diesen Schritt.

Dienstleister: Fragen vor dem Auftrag

Ein Dienstleister kommt in Frage, wenn der Bestand groß ist und die eigene Zeit knapp. Weil die Originale dann das Haus verlassen, gehören die Bedingungen vor dem Auftrag auf den Tisch. Preise und Anbieter vergleichen Sie selbst; wichtiger als der Stückpreis sind diese Punkte:

  • Welche Auflösung in ppi und welches Dateiformat wird geliefert, und bekommen Sie neben bearbeiteten auch unbearbeitete Dateien?
  • Bleibt die Reihenfolge der Magazine erhalten, und landet die Rahmenbeschriftung im Dateinamen oder in einer Liste?
  • Wird Staub entfernt, Farbe korrigiert oder beschnitten, und lässt sich das abwählen?
  • Wie werden die Originale verpackt, versichert und zurückgeschickt, und wo werden sie bearbeitet?
  • Werden Ihre Bilddateien beim Dienstleister nach der Lieferung gelöscht?
  • Wie werden Negative behandelt: Umkehrung und Farbkorrektur automatisch oder Bild für Bild?

Erst eine Liste, dann der Versand

Fotografieren Sie vor dem Versand jedes Magazin und jede Albumseite einmal schnell mit dem Smartphone und notieren Sie, wie viele Dias in jedem Kasten stecken. Diese Inventarliste hilft beim Abgleich der Rücksendung und ist im Verlustfall das einzige Bild der Bilder. Besonders wertvolle Einzelstücke digitalisieren Sie vorher selbst oder geben sie persönlich ab.

Auflösung und Format: wie viel reicht

Die Auflösung wird beim Scannen in ppi angegeben, also in Bildpunkten je Zoll der Vorlage. FADGI teilt die Qualität in vier Stufen von einem bis vier Sternen. Für Fotoabzüge setzt die Richtlinie in der dritten Stufe 400 ppi an, in der höchsten 600 ppi (FADGI). Für Kleinbilddias und Kleinbildnegative liegen die Werte wegen der kleinen Vorlage weit höher: 3.000 ppi in der dritten und 4.000 ppi in der vierten Stufe (FADGI). Diese Werte sind für Archive geschrieben, die ihre Bestände einmal und dann für Jahrzehnte erfassen. Für eine Familiensammlung sind sie ein guter Maßstab für die Bilder, die Ihnen wichtig sind.

Was das in Bildpunkten heißt, lässt sich ausrechnen: Ein Kleinbilddia, mit 3.000 ppi gescannt, ergibt eine Datei mit rund zwölf Millionen Bildpunkten (eigene Berechnung nach FADGI). Für einzelne Lieblingsbilder, die später groß gedruckt oder stark beschnitten werden sollen, wählen Sie die höhere Stufe. Für Serien und Schnappschüsse kann die niedrigere genügen, zumal ein höherer Wert jeden Scanvorgang verlängert und mehr Speicherplatz belegt.

Beim Dateiformat empfiehlt die Verbraucherzentrale für Bilddateien JPEG oder TIFF (Verbraucherzentrale). TIFF speichert ohne Qualitätsverlust und eignet sich für die Archivfassung, braucht aber deutlich mehr Platz; JPEG ist kompakter und lässt sich auf jedem gängigen Gerät öffnen und teilen. Für Kopien, die nur der Sicherheit dienen, reicht nach der Verbraucherzentrale eine mittlere Qualität. Sind Unterlagen akut vom Zerfall bedroht, soll die Qualität höher sein, weil aus den Kopien potenziell neue Originale werden (Verbraucherzentrale). Ein Dia mit Essigsyndrom ist genau dieser Fall.

Wichtig ist die Trennung von Rohfassung und Bearbeitung. FADGI verlangt, dass die Archivfassung das Original so zeigt, wie es bei der Digitalisierung aussah, und schließt dort etwa Nachkolorieren, Farbrestaurierung und das Wegretuschieren von Staub und Kratzern aus; solche Eingriffe gehören in abgeleitete Fassungen (FADGI). Für zu Hause heißt das: eine unbearbeitete Datei je Bild aufbewahren und die farbkorrigierte, beschnittene Fassung daneben ablegen. Auf verbreitete Formate zu setzen, hat noch einen Grund. Das BSI weist darauf hin, dass Betriebssysteme und Programme irgendwann ausgemustert werden, bei Privatanwendern nach seiner Einschätzung sogar schon nach zehn Jahren (BSI). Die Handreichung der Archivare rät deshalb, herstellereigene Speicherformate zu meiden und bei neuen gängigen Formaten rechtzeitig umzuziehen (Homa/Schlöder).

Die unbearbeitete Datei ist das neue Original

Zuschneiden, aufhellen, Farbstich entfernen: Das ist erlaubt und macht alte Bilder oft erst wieder ansehnlich. Es gehört aber in eine Kopie. Die Rohfassung bleibt unverändert neben der bearbeiteten liegen, damit eine spätere, bessere Korrektur von vorn beginnen kann.

Ordner, Dateinamen und Bildbeschreibung

Eine Ordnung muss nicht kompliziert sein, sie muss in Jahrzehnten noch verständlich sein. Die Handreichung von Homa und Schlöder nennt als Möglichkeiten unter anderem die Ablage nach Jahrgängen, nach Lebensbereichen und nach Art der Unterlagen, und sie rät, die Struktur einfach zu halten und nicht zu viele Stufen zu bilden (Homa/Schlöder). Für Familienbilder bietet sich eine Ebene nach Jahr und Anlass an, ergänzt um einen Ordner für die Rohfassungen:

text
Familienfotos/
  1974_Hochzeit-Eltern/
    1974-06_Hochzeit-Eltern_001.jpg
    1974-06_Hochzeit-Eltern_002.jpg
  1981_Urlaub-Ostsee/
    1981-07_Ostsee_Magazin-03_014.jpg
  1987_Einschulung/
  _Rohfassungen/
  _Inventar.pdf

Der Dateiname beginnt mit Jahr und Monat, damit die Bilder in jedem Programm chronologisch sortiert erscheinen. Danach folgen Anlass und eine laufende Nummer, bei Dias auch die Nummer des Magazins. Lassen Sie Umlaute, Leerzeichen und Sonderzeichen in Dateinamen weg; Bindestriche und Unterstriche reichen. Kennen Sie nur das Jahr, schreiben Sie nur das Jahr. Wie Sie digitale Fotos vom Handy nach einem ähnlichen Muster ordnen, zeigt der Beitrag Fotos ordnen statt Chaos.

Der Ordnername allein reicht nicht. Die Handreichung empfiehlt, zu jedem Foto die wesentlichen Angaben festzuhalten: wann und wo es aufgenommen wurde, wer oder was zu sehen ist und wer es fotografiert hat. Sie warnt davor, diese Angaben nur über Ordnernamen zu überliefern: Geht die Struktur verloren, lässt sich nach 40 Jahren womöglich nicht mehr rekonstruieren, aus welchem Urlaub ein Bild stammt (Homa/Schlöder). Tragen Sie die Angaben deshalb in die Bildbeschreibung der Datei ein, die Foto-Programme und Betriebssysteme anzeigen und durchsuchen können. Ältere Familienmitglieder sind dafür die wichtigste Quelle, solange sie noch gefragt werden können.

Beim Datum lauert eine Falle. Scanner und Kameras speichern das Datum der Digitalisierung, nicht das der Aufnahme. Der Fotometadaten-Standard des IPTC beschreibt das Feld für das Aufnahmedatum ausdrücklich als Datum, an dem der Bildinhalt entstanden ist, und nicht als Datum, an dem die digitale Fassung erzeugt wurde (IPTC). Korrigieren Sie das Datum in Ihrer Bildverwaltung, sonst erscheinen die Hochzeitsbilder von damals zwischen den Handyfotos vom letzten Sonntag.

Sichern: zwei Kopien an getrennten Orten

Mit dem Digitalisieren entsteht ein neues Risiko: Die Bilder liegen jetzt auf einem Datenträger, der ausfallen kann. Wie verbreitet die Lücke ist, zeigt eine Bitkom-Umfrage: 33 Prozent derjenigen, die privat einen Computer oder ein Smartphone nutzen, verwenden überhaupt keine Backups, und ein Fünftel hat schon einmal Daten verloren, weil eine Sicherung fehlte (Bitkom). Nur 18 Prozent wissen, wie sie die Daten eines Backups wiederherstellen (Bitkom). Für Bilder, die gerade mit viel Mühe digitalisiert wurden, ist das ein schlechtes Verhältnis.

Die Library of Congress empfiehlt für persönliche Fotos mindestens zwei Kopien, gelagert an Orten, die räumlich möglichst weit auseinanderliegen. Die Fotos sollten Sie mindestens einmal jährlich öffnen, um zu prüfen, ob sie lesbar sind, und alle fünf Jahre oder bei Bedarf auf neue Datenträger kopieren (Library of Congress). Die Verbraucherzentrale rät ebenso zu mindestens zwei Speichermedien, möglichst räumlich getrennt, und warnt, dass CDs, DVDs und Blu-ray-Discs nur wenige Jahre intakt bleiben und USB-Sticks deutlich kurzlebiger sind als Festplatten (Verbraucherzentrale). Wer noch gebrannte Foto-CDs aus den ersten Jahren der Digitalfotografie besitzt, zieht sie bei dieser Gelegenheit gleich mit um.

Arbeitskopie zu Hause

Auf dem Computer oder einem NAS im Heimnetz liegt die Sammlung, mit der Sie arbeiten: sortieren, beschriften, Fotobuch gestalten.

Zweite Kopie außer Haus

Eine externe Festplatte mit dem vollständigen Bestand liegt bei Verwandten oder an einem anderen sicheren Ort und wird bei jedem Besuch auf den neuen Stand gebracht.

Wiederherstellung üben

Holen Sie bei der jährlichen Prüfung ein paar Bilder aus der Sicherung zurück. Erst dann wissen Sie, dass die Kopie im Ernstfall trägt.

Wie Sie eine automatische Sicherung für Computer und Handy einrichten und welche Kombination aus Festplatte, NAS und Cloud zu Ihnen passt, erklärt der Ratgeber zur Backup-Strategie für Handy-Fotos. Wer eine Cloud nutzt, verschlüsselt besonders private Bilder vorher; die Verbraucherzentrale empfiehlt für digitale Kopien wichtiger Unterlagen ausdrücklich eine Verschlüsselung (Verbraucherzentrale).

Werfen Sie die Originale nach dem Digitalisieren nicht weg. Sie bleiben die Vorlage, falls später eine bessere Digitalisierung nötig ist. Für die Lagerung nennt die Library of Congress eine relativ trockene, kühle und stabile Umgebung mit 30 bis 50 Prozent relativer Luftfeuchte und höchstens 70 Grad Fahrenheit, also rund 21 Grad Celsius (Library of Congress). Für Farbfotos und Filmnegative empfiehlt sie Temperaturen von 40 Grad Fahrenheit oder weniger, das sind rund 4 Grad Celsius (Library of Congress). Zu Hause sind ein kühler, trockener Raum ohne Heizungsnähe, lichtdichte Kartons und Fotoarchivhüllen aus geprüftem Material der realistische Kompromiss. Kunststoffhüllen eignen sich nach der Library of Congress nicht für Negative auf Nitrat- oder Acetatbasis (Library of Congress).

Rechte an alten Familienfotos

Auch ein Schnappschuss ist rechtlich geschützt. Fotos gelten nach dem Urheberrechtsgesetz mindestens als Lichtbilder; das Recht daran steht dem Lichtbildner zu, also der Person, die fotografiert hat (§ 72 UrhG). Es erlischt 50 Jahre nach dem Erscheinen des Bildes oder seiner ersten erlaubten öffentlichen Wiedergabe; ist beides nicht innerhalb von 50 Jahren nach der Herstellung geschehen, erlischt es bereits 50 Jahre nach der Herstellung (§ 72 Absatz 3 UrhG). Gerechnet wird ab dem Ende des Kalenderjahres (§ 69 UrhG). Ist ein Foto als Lichtbildwerk geschützt, weil es eine persönliche geistige Schöpfung ist, gilt die längere Frist von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers (§ 64 UrhG).

Für das Digitalisieren zu Hause ist das selten ein Hindernis. Einzelne Vervielfältigungen zum privaten Gebrauch sind erlaubt (§ 53 Absatz 1 UrhG). Lassen Sie die Kopien von jemand anderem herstellen, deckt das Gesetz das nur, wenn es unentgeltlich geschieht oder auf Papier kopiert wird (§ 53 Absatz 1 Satz 2 UrhG). Bei eigenen Aufnahmen und bei Bildern, deren Rechte in der Familie liegen, entscheidet die Familie selbst. Bei Hochzeits- oder Atelierbildern eines Berufsfotografen, deren Schutzfrist noch läuft, klären Sie vor dem Auftrag an einen bezahlten Dienstleister, ob der Fotograf zustimmt. Die Kopien dürfen außerdem weder verbreitet noch zu öffentlichen Wiedergaben benutzt werden (§ 53 Absatz 6 UrhG).

Sobald Menschen auf den Bildern zu sehen sind und die Bilder öffentlich werden sollen, kommt das Recht am eigenen Bild hinzu. Wer Familienfotos in sozialen Netzwerken, in einer Ortschronik oder auf einer Website zeigen will, braucht dafür grundsätzlich die Einwilligung der Abgebildeten, nach deren Tod zehn Jahre lang die der Angehörigen (§ 22 KunstUrhG). Wie Zugänge zu Fotoalben in der Cloud für den Erbfall geregelt werden, beschreibt der Beitrag zum digitalen Nachlass. Dieser Abschnitt gibt die Gesetzeslage wieder und ersetzt keine Rechtsberatung.

Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden.

§ 22 Satz 1 Kunsturhebergesetz (KunstUrhG)

Bis Weihnachten: ein Zeitplan mit Vorlauf

Wer zu Weihnachten ein Fotobuch mit alten Bildern oder eine digitale Sammlung für Geschwister und Enkel verschenken möchte, braucht Vorlauf. Sichten, Digitalisieren und Beschriften dauern länger als das Gestalten, deshalb lohnt ein Beginn im Oktober. Die Handreichung der Archivare verbindet die Fotoarbeit übrigens selbst mit dem Jahresende: Wer weniger als 100 Fotos im Monat aufnimmt, kann seine Bilder einmal im Jahr durchsehen, zum Beispiel um die Weihnachtszeit (Homa/Schlöder). Ein Zeitplan für die Wochen bis zum Fest:

  1. Bis Ende Oktober: Bestand sichten, Dringliches markieren, die Bilder für das Geschenk auswählen und, falls gewünscht, bei Dienstleistern anfragen.
  2. Im November: die Auswahl digitalisieren, Rohfassungen ablegen, Dateinamen vergeben und die Beschreibungen gemeinsam mit älteren Familienmitgliedern ergänzen.
  3. Ende November: zwei Sicherungskopien anlegen, eine davon außer Haus, und testweise einige Bilder daraus zurückholen.
  4. Anfang Dezember: Fotobuch gestalten oder die digitale Sammlung zusammenstellen. Die Bestellfristen für eine Lieferung vor dem Fest prüfen Sie beim Anbieter Ihrer Wahl.
  5. Zum Fest: die Sammlung als geteiltes Album, auf einem beschrifteten Datenträger oder gedruckt übergeben.

Wer die digitale Sammlung zusammen mit einem neuen Tablet oder einem digitalen Bilderrahmen für die Eltern verschenkt, richtet das Gerät vor dem Fest ein; wie das gelingt, beschreibt der Beitrag Technik verschenken: Geräte vor Weihnachten einrichten. Wohnen Großeltern und Enkel weit auseinander, lassen sich die wiederentdeckten Bilder auch in einem Videoanruf gemeinsam ansehen. Die Einrichtung zeigt der Ratgeber Videoanrufe mit der Familie.

Wie Technik daheim dabei hilft

Technik daheim ist kein Scanlabor. Wir kommen im Raum Hildesheim und im Leinetal zu Ihnen nach Hause und helfen bei allem, was mit den digitalen Bildern an Ihren eigenen Geräten passiert. Im Foto-Verwaltungs-Kurs üben Sie am eigenen Gerät, wie Sie Alben anlegen, Bilder nach Personen, Orten oder Anlässen wiederfinden, die Sammlung automatisch sichern und mit der Familie teilen. Den Flachbettscanner Ihres Multifunktionsdruckers richten wir so ein, dass die Scans dort landen, wo Ihre Ordnung sie erwartet.

Für die Sicherung richten wir eine automatische Datensicherung auf Festplatte und in die Cloud ein und testen die Wiederherstellung gemeinsam mit Ihnen. Wer die Sammlung für mehrere Familienmitglieder zentral ablegen möchte, kann sie auf einem NAS im Heimnetz speichern. Ältere Angehörige begleiten wir mit Geduld und ohne Fachbegriffe; mehr dazu auf der Seite Technik für Senioren. Einen Termin vereinbaren Sie über das Kontaktformular für einen Hausbesuch. Legen Sie dafür, wenn vorhanden, die ersten digitalisierten Bilder und den Datenträger bereit, auf dem sie liegen.

Dieser Artikel basiert auf Daten aus: Verbraucherzentrale, Wie sichere ich analoge und digitale Daten möglichst gut und lange? (Stand 1. Juni 2023); Handreichung für die Archivierung zuhause von Bernhard Homa (Niedersächsisches Landesarchiv) und Christian Schlöder (Sächsisches Staatsarchiv), Stand 8. Juni 2023; Federal Agencies Digital Guidelines Initiative (FADGI), Technical Guidelines for Digitizing Cultural Heritage Materials, dritte Ausgabe 2023; Image Permanence Institute, IPI Storage Guide for Acetate Film (1993); Library of Congress, Keeping Personal Digital Photographs sowie Care, Handling, and Storage of Photographs; IPTC Photo Metadata Standard 2025.1; Bitkom, Ein Drittel verzichtet auf Backups (8. Februar 2024); BSI, Datensicherung – wie geht das?; Urheberrechtsgesetz (§§ 53, 64, 69, 72) und Kunsturhebergesetz (§ 22) auf gesetze-im-internet.de.

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